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Oktober 2018

Kirchweih-Tanz, um 1825

Die drei Musikanten spielen in einer Besetzung mit zwei Clarinetten aus Bux- oder Birnbaumholz und einer Geige. Die Figuren deuten auf einen Landlertanz mit typischen Elementen des Schuhplattlers hin. Dazu gehören das Schlagen auf die Oberschenkel, das Fingerschnalzen, das Wegdrehen von der Tänzerin und das Drehen des Dirndls um die eigene Achse.

Die Musikanten tragen bürgerliche Kleidung. Während der Geiger noch die einreihige, lang geschnittene Weste des ausgehenden 18. Jahrhunderts trägt, zeigt sich einer der Bläser mit einer modischen Neuheit des Biedermeier – der Schirmmütze. Die Mieder der Tänzerinnen sind hoch tailliert, ihre Kleidung besteht aus: Hemd, Mieder, Miederärmel, Rock, Schürze (Fürtuch), Halstuch und dem Hut. Der Hutschmuck besteht aus Seidenbändern mit Schnallen, Goldschnüren mit Quasten und Blumen.

Die Kellnerin trägt dagegen die sogenannte Pech- oder Schwazerhaube, eine typische Kopfbedeckung in der Gegend von Tölz und Miesbach. Am Gürtel die Kellnerinnentasche serviert sie das dunkle Bier in irdenen Krügen mit Zinndeckeln. Gegessen wird – wie neben dem sitzenden Pärchen zu erkennen – Brot, bzw. Semmeln. Die Tänzer haben ein gemeinsames Accessoire: Breite Ledergürtel mit Schnalle, die mit gespaltenen Pfauenfederkielen ausgestickt sind. Neben den Männern in kurzen Lederhosen ist ein Tänzer in langen Lederhosen mit Stiefeln abgebildet. Westen und Halsflor tragen alle, die Stopselhüte sind mit Blumen und Birkhahnfedern geschmückt.

Ein Zuschauer, der am Rand des Tanzbodens steht, ist in seiner roten Weste mit bortenbesetztem Halsauschnitt, der einfachen Joppe und dem flachen Hut auffällig anders gekleidet. Er stammt aus Tirol und gehört wohl zu den vielen Holzknechten, die in Bayern um 1830 gearbeitet haben.

Abbildung:
»Kirchweih-Tanz in der Umgegend von Tegernsee«, Lithographie, altkoloriert, um 1825
Aus der Sammlung Bayerischer National-Costüme von Felix Joseph von Lipowsky, erschienen »Bey I.M. Hermann in München«
Sammlung Bezirk Oberbayern | Zentrum für Trachtengewand

Ka·bi·nett·stück
Substantiv [das]

1. sehr geschicktes, erfolgreiches Handeln
2. besonders schöner, wertvoller Gegenstand

Das sogenannte Kabinettstück kann entweder ein ungewöhnlich geschicktes und erfolgreiches Handeln sein oder ein besonders schöner und wertvoller Gegenstand. Die zweite Definition trifft auf abertausende Exponate aus den Sammlungen des Zentrums für Trachtengewand zu. Ob Kleidungsstücke, Accessoires, Fotografien, Grafiken oder Bücher – in Benediktbeuern besitzt der Bezirk Oberbayern einen Schatz aus über drei Jahrhunderten. Um einen Einblick in die reichen Bestände zu geben, stellen wir jeden Monat ein Kabinettstück vor. Dabei können Materialien, die Seltenheit, das Muster oder die Geschichte hinter den Originalstücken im Vordergrund stehen.

Die Digitalisierung und Veröffentlichung unserer Sammlungen im Netz ist eine groß angelegte Arbeit, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Einen Vorgeschmack auf dieses Zukunftsprojekt bietet das monatlich präsentierte Kabinettstück.

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